Chubby Buddy mit Marc Amacher / Live im Güterschuppen Glarus 20.April

Beschreibung

Nach einem der wohl kältesten Apriltage seit gefühlten 100 Jahren, trete ich in den wunderschönen und wohlig warm beheizten Güterschuppen. In gemütlicher Atmosphäre beobachte ich die zahlreichen Dinner-Gäste wie sie gerade das Dessert geniessen. Mmh, das sieht lecker aus und ich überleg mir, wie ich als nicht angemeldeter Dinner-Gast mit einem cleveren Ablenkungsmanöver zu solch einer süssen Verführung kommen könnte. Doch dazu kommt es nicht, weil zum Glück das Konzert angesagt und die Künstler begrüsst werden. Es folgt der Blues im Güterschuppen! Dort wo früher Säcke voller Post, Palletten und Kisten rumgekarrt wurden, der Schweiss in Strömen rann, hart gerackert und geflucht wurde weil Finger sich am Holz aufspiessten und eingeklemmten. Wo sonst im Glarnerland, wenn nicht hier im Schuppen soll der Blues zelebriert werden? Marc Amacher mit Gitarre (und dekoriert von der Fernsehcommunity Voice of Germany), lässig auf dem Hocker abgestützt und Dominik Liechti auf seinem Cajon und hinter vielen Becken und Schlaginstrumenten sitzend, legen lockerflockig los und zeigen gleich, dass man zu zweit einen Komplett-Sound kreieren kann, der sofort trägt und berührt. Wehmütig, klagend und doch voller positiver Energie. Beide beherrschen  ihre Instrumente, spielen souverän und fühlen sich wohl auf der Bühne, als hätten sie nie was anderes gemacht im Leben. Amacher dirigiert und erzählt Anekdoten aus dem Leben, welche dann auch gleich in bluesigen Songs musikalisch interpretiert werden. Alltägliche Dinge wie sie halt passieren. Das Benzin das ausgeht auf der Fahrt ans Konzert, die vermisste Katze zu Hause, welche schon über drei Wochen verschwunden ist und plötzlich wieder mit Vierfach-Nachwuchs auftaucht, von seiner Gitarre die eine launische Zicke ist, der man immer mal wieder neue Saiten aufziehen muss. Wunderbar passend dazu die warmen Cajon-Beats von Liechti. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Leidenschaftlich gespielt, schwitzend, stampfend mit vollem Körpereinsatz. Mit blossen Händen schlägt er auf die zahlreichen Splash`s und Becken ein und muss Tribut zahlen, indem da auch ein Teil des Fingernagels abbricht und die Hände nach dem Konzert mit Spaltencreme und Handschuhen wieder schnellstmöglich geheilt werden müssen. Das Leiden für die Sache des Blues wird zelebriert, als wäre man noch auf den Baumwollfelder in den Südstaaten Amerikas. Dazu trägt auch wesentlich die Stimme Amacher`s bei, als wären seine Stimmbänder aus 120er-Schmirgelpapier, mit leicht heiserem Timbre, als hätte er die ganze Nacht über den Antlantik geschrien „I love you baby“, um für seine Liebste und mit letzter Stimme noch einen ergreifenden Bluessong spielen zu können. Auch mal so, als wären seine Verwandten auf der Plantage der Zucchero Fornaciari (nicht nur wegen dem Hut), John lee Hooker und Elvis Costello, aber trotzdem immer unverkennbar im Amacher-Style. Und dies mit vollem Körpereinsatz, da legt er sich auch schon mal auf den Boden um auf seiner Klampfe das Solo zu spielen. Wunderbar auch seine Slide- und Pickingeinlagen. Und weil die beiden Musiker mit jeder Faser zusammen harmonieren und authentisch „blüseln“, können sie auch in ihrem Stil Coverversionen von AC/DC  (TNT) oder Depeche Mode (Personal Jesus) spielen, ohne wie so oft beim Covern von grossen Hymnen die Originale zu „beschmutzen“. Nach einem gelungen abgerundeten Set geht’s für die beiden Musiker zweimal runter von der Bühne, um unter Ovationen nochmals Zugaben spielen zu dürfen. Und da geht’s nochmals voll zur Sache, mit Energie und Power ab als wär’s in New Orleans, bevor die Katharina an die Türe klopft. „Yeah, so geil“, schreit am Schluss der Zuhörer der vor mir steht. Und so abgedroschen das „Yeah“ sein mag, so stimmig und passend ist es in diesem Moment, inklusive dem „so geil“. Denn wenn`s passt, dann passt`s und basta!


 


Autor: Willy Girolimetto

Verfügbarkeit

21.04.2017   

Details

Kategorie

Glarus

Letzte Änderung: 25.04.2017

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