Glarner Regierungskonzert 2018 begeistert mit Barock und Tango

Beschreibung

Seit 1944 ist das Glarner Regierungkonzert ein fester Wert in regionalen Kulturlandschaft. Einst wurde die Idee zu einem festlichen Orchesterkonzert aus der Not der Kriegswirren geboren, als den Glarnern das Reisen erschwert war. Heutzutage ist das Angebot auswärtger Sinfoniekonzerte war gross und verkehrstechnisch gut erreichbar, aber für etliche Einheimnische nicht unbedingt erschwinglich. Zudem schätzen die Glarner Kulturbürger es sehr, sich zu diesem besonderen Ergeignis vor Ort treffen und austauschen zu können. Und auch einiger Stolz schwingt - zu Recht, meine ich - mit: Etwa, wenn international renommierte Künstler wie Sol Gabetta mit den berühmten Rokokko-Variationen Tschaikowskys in der Aula Glarus oder ein kammerorchesterbasel mit der 9.Sinfonie Beethovens samt Chor in der Stadtkirche Glarus gastiert.


Nicht immer aber müssen es gewaltig grosse Sinfonieorchester sein, die entsprechend viel Publikum anlocken: Das zeigte 2016 bereits die Kammerphilharmonie Graumbünden mit dem Solisten Fabio Di Càsola, und gerade vor ein paar Tagen begeisterte die Capella Gabetta, eines des wohl dynamischsten und spielfreudigsten Barockesembles, gegründet 2010 von den Geschwistern Andrés und Sol Gabetta. Andrés Gabetta hatte als Solist und Konzertmeister seines Orchesters bereits im Weihnachtskonzert 2016 der Kulturgesellschaft Glarus einen umjubelten Auftritt und gastierte nochmals im September 2017 im Glarnerland im Rahmen der Musikwoche Braunwald beim Konzert in der Evangelischen Kirche Linthal mit Opernstar Simone Kermes. Allein schon das dürfte den Fanclub der klassischen Musikhörer mobilisiert haben; dazu aber erschienen jetzt in der Aula wohl auch jene, die zudem am Tango interessiert sind. War doch als Solist der Weltklasse-Bandoneonist Mario Stefano Pietrodarchi gesetzt, der sich an der Seite Gabettas auf die selten gehörten Vier Jahreszeiten Astor Piazzollas einliess.


Im Wechsel mit den dem wohlbekannten Klassik-Hit von Vivaldis Vier Jahreszeiten ergab sich aufregendes und mitreissendes Musikspektakel. Spektakel deshalb, weil es den Musikern gelang, Naturimpressionen und Gemütslagen der charakteristischen Jahreszeiten geradezu plastisch darzustellen: die brütende Hitze des Sommer, das frische Frühlingslüftchen, die zwickende Kälte des Winter und das Toben der Herbststürme... Vivaldis hat seine vier Solo-Violinkonzerte auf sprachlich passende Sonette geschrieben, deren Texte zwar ohne Worte, aber dennoch in Opernmanier umgesetzt wurden. Deshalb sind neben der höchst kunstvollen Solovioline auch die Begleitstimmen durchwegs interessant. Sie kommentieren, bereiten die Szenerie vor und schaffen suggestive Stimmungen. Manchmal mit speziellen Mitteln,  wie pizzicato, tremolo, schnarrendem ponticello Spiel (nah am Steg). Waches Agieren, Neugier und Spiellust zeichnen das Spiel der Cappella Gabetta aus. 


Mit den Jahreszeiten-Konzerten Astor Piazzollas tritt nochmals eine neue Ebene hinzu. Prägnanter Rhythmus  und abrupte Wechsel von überschwänglicher Lebensfreude und Melancholie prägen die einsätzigen Konzerte (entstanden ab 1965). Den zwei Solisten gelang es mit ihrem präziesen und zugleich erstaunlich freien, agogischen Spiel, das Publikum zu atemlosen Hören mitzureissen.


Hochverdienter Applaus belohnte die Musiker und insbesondere Andés Gabetta und Mario Stefano Pietrodarchi für ihre grandiose Darbietung. Diese wiederum bedankten sich mit mehrfachen Zugaben und verliessen Glarus ebenfalls sehr erfüllt. Ihre Tournee mit den Acht Jahrezeiten ging bereits am nächsten Tag weiter. Und uns im Glarnerland ist zu wünschen, dass dieses Ensemble hier nicht zum letzten Mal aufgetreten sein wird!


Swantje Kammerecker   


            

Verfügbarkeit

12.03.2018   

Details

Kategorie

Glarus

Letzte Änderung: 12.03.2018

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