Ausstellungen

Ausstellung «Die Justiz im Kanton Linth - Urteile vom Leben zum Tode»

Anna Göldi Museum, Ennenda

Urteile vom Leben zum Tode - Ausstellung von Stefan Paradowski

Kantonsgericht Linth provozierte vor 220 Jahren Justizskandal

Die Wanderausstellung «Die Justiz im Kanton Linth: Urteile vom Leben zum Tode» ist während des ganzen Monats Juni zu Gast im Anna Göldi Museum Ennenda. Nur sechzehn Jahre nach der Hinrichtung der «letzten Hexe Europas» fällte und vollstreckte das Kantonsgericht Linth fünf Todesurteile, die jedoch für unrechtmässig erklärt wurden.

Die Wanderausstellung trägt den Titel «Die Justiz im Kanton Linth: Urteile vom Leben zum Tode» und ist während des ganzen Monats Juni im Anna Göldi Museum zu sehen. Konzipiert und gestaltet wurden die zur Schau gestellten Bild-Text-Tafeln von Stefan Paradowski, Agentur für Kunst- und Regionalgeschichte, Wangen. Dazu erscheint eine Begleitschrift. Von den Hinrichtungen gibt es verständlicherweise kein Bildmaterial. Steve Nann, Niederurnen, behob diesen Mangel, indem er eigens für die Wanderausstellung eindrucksvolle Illustrationen anfertigte.

Das Schwert des Scharfrichters zischte nieder
Johann Rudolf Steinmüller, «Pfarrer der Gemeinde Kerenzen», betreute Andreas Stricker auf seinem Gang zur Richtstätte in Glarus, dem Hauptort des Kantons Linth (1798-1803). Der Priester hielt als Augenzeuge in einer Schrift, 1799 gedruckt, die letzten Worte des wegen Raubmordes Verurteilten fest: «Vater im Himmel erbarme Dich meiner!». Nach diesem Ausspruch zischte das Schwert des Scharfrichters nieder. Das Kantonsgericht Linth traf sich Mitte Juni 1798 zur ersten konstitutionellen Sitzung und fällte, kaum eingesetzt, gleich fünf Todesurteile. Am 19. Juli 1798 wurden zwei Personen durch das Schwert hingerichtet, am 11. August 1798 drei Personen. Einer der Scharfrichter war kein Geringerer als Franz Leonard Vollmar von Fischhausen bei Kaltbrunn, der schon bei Anna Göldi seines schauerlichen Amtes waltete. Eine Hinrichtung wurde als feierlich-makaberer Staatsakt in aller Öffentlichkeit vollzogen.

Unrechtmässige Todesurteile
Doch das Parlament (Grosser Rat und Senat) in Aarau, der Hauptstadt der Helvetischen Republik, erklärte die fünf vom Kantonsgericht Linth ausgesprochenen und vollstreckten Todesurteile für unrechtmässig − «dem Geiste der Verfassung zuwider» − und beauftragte das Direktorium (Zentralregierung), einen «ausserordentlichen Kurier» nach Glarus «abzuschicken, um die Vollziehung aller Todesurteile, die von diesem Tribunal ausgehen könnten, einzustellen». Damit hatte die junge Helvetische Republik ihren ersten Justizskandal. Der Vollzugsstopp vermochte indessen die Exekution des sechsten Todesurteils im Jahr 1799, eine Enthauptung wegen Raubmordes an einem französischen Soldaten, nicht zu verhindern. Das Kantonsgericht Linth verkündete im Jahr 1800 ein siebtes Todesurteil, widerrief es allerdings und begründete die Aussetzung mit dem Hinweis auf die neue Rechtslage.

Vier Staatsstreiche erschütterten das Land
Die grausamen Hinrichtungen in Glarus fielen mit der Entstehung des Kantons Linth zusammen und standen am Anfang einer dramatischen Entwicklung: französische Truppen eroberten die Schweiz, politische Umwälzungen mit vier Staatsstreichen erschüttern das Land, die unversöhnlichen Lager der Unitarier und der Föderalisten stritten sich unablässig − bis Napoleon 1803 der Schweiz die Mediationsverfassung überstülpte.

Ausstellung wandert
Nach Ennenda zieht die Wanderausstellung weiter und macht Ende Juni halt in Benken und Mitte August in Lachen

Herzlichen Dank an die Gönner des Anna Göldi Museums:

KANTON GLARUS, SWISSLOS KULTURFONDS
KANTON ST. GALLEN, KULTURFÖRDERUNG
KANTON ZUG
GEMEINDE GLARUS Glarus
GEMEINDE GLARUS SÜD Schwanden
GEMEINDE GLARUS NORD Niederurnen
EVANGELISCH-REFORMIERTE KIRCHE KANTON ZÜRICH
PRO HELVETIA, SCHWEIZER KULTURSTIFTUNG Bern
ERNST GÖHNER STIFTUNG Zug
STIFTUNG DER GLARNER KANTONALBANK FÜR EIN STARKES GLARNERLAND Glarus
SERVICE 7000 AG Glarus Netstal
SOPHIE UND KARL BINDING STIFTUNG Basel
STIFTUNG ACCENTUS Zürich
MARKANT-STIFTUNG Pf.ffikon / SZ
STIFTUNG FONS MARGARITA Zürich
CURTI-STIFTUNG La Punt-Chamues
WALTER HAEFNER STIFTUNG Zürich
STIFTUNG ANNE-MARIE SCHINDLER Glarus
SANDOZ-FAMILIENSTIFTUNG Glarus

Datum

Bis  24.6.2018   jeweils Mi bis So   13:30 - 18:00 Uhr

Preis

EINTRITTSPREISE
Erwachsene CHF 10
Kinder bis 16 Jahre CHF 5 (Kleinkinder frei)
Führungen ab CHF 200 je nach Gruppengrösse

Adresse

Anna Göldi Museum
Fabrikstrasse 9
8755 Ennenda

Wegbeschreibung

Das Anna Göldi Museum erreichen Sie zu Fuss in 7–10 Minuten von der SBB-Station GLARUS sowie von der SBB-Station ENNENDA.

Kontakt

Anna Göldi Museum
Fabrikstrasse 9
8755 Ennenda
kontakt@annagoeldimuseum.ch
055 650 13 54

Kategorie

  • Geschichte
  • Mensch / Gesellschaft
  • Sonderausstellung

Zielgruppe

  • Auch für Gruppen / Firmen geeignet (Spezialangebote)
  • Auch für Schulklassen geeignet (Spezialangebote)
  • Offen für alle

Vergünstigungen

  • Ermässigtes Angebot für Jugendliche bis 16 Jahre

Webcode

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