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Dies & Das

Blick in den Rückspiegel 2021

Der Blick zurück ist einfacher als der Blick in die Zukunft. Bei Prognosen fällt auf, dass diese fast nie stimmen und dass disruptive Innovationen nicht vorausgesagt werden können. Die Pandemie war das Leitthema und ist es noch. Die Hoffnung auf ein normalisiertes Leben besteht und treibt Themen der Spaltung des Landes vor sich her.

Es kann festgestellt werden, dass das Trennende betont worden ist. Die Inklusion, das Gegenteil des Trennenden, war kein Thema, obwohl diese des öftern gefordert wird. Mit Sicherheit wäre es gut, dass 2022 die Gelassenheit in der Gesellschaft spürbar würde, weil eine Zuspitzung unsere Gesellschaft nicht weiter bringt. Zur Betonung des Trennenden hat auch die Berichterstattung beigetragen, so dass das Gewicht mehr auf das Trennende und nicht auf das Verbindende gelegt worden ist.

Es begann mit einer Scheidung ...

Am ersten Januar 2021 ist eine wichtige Scheidung, der Austritt von Grossbritannien aus der EU, vollzogen worden. Nordirland ist allerdings in der Zollunion verblieben. Dies hat zu neuen Konfliktlinien geführt. Eingespielte Lieferketten sind durch den Brexit empfindlich gestört worden und die Bürokratie an den Grenzen hat stark zugenommen. Stimmungsbarometer bei der Bevölkerung zeigen aktuell, dass mindestens sechs von zehn Britannier:innen den Brexit als Fehler einstufen.

Ebenfalls im ersten Quartal hat der zweite Impfstoff gegen Corona grünes Licht von den Behörden erhalten. Neue Trennlinien sind aufgebrochen. Weder die Zulassung noch die Verfügbarkeit der Impfstoffe hat zu Trennungen geführt. Nein, es ist bis heute eine Minderheit der Bevölkerung, die sich als Impfgegner oder -Skeptiker nicht impfen lässt und auf ihre eingeschränkten Freiheiten lautstark hinweist. Die Trennung zieht sich Mitten durch Familien, Freundeskreise oder Arbeitsteams. Viele der Impfbefürworter reagieren mit einem Schweigen nach aussen und einem inneren Monolog. So wird versucht die Konflikte in Grenzen zu halten. Vielerorts sind strenge Vorschriften oder Einreiseverbote verhängt worden. Nicht nur der Grenzverkehr, auch der internationale Warenverkehr waren betroffen. Impfstoff, medizinische Ausrüstungen und Verbrauchsgüter sind knapp geworden. Zahlreiche Staaten haben Exportkontrollen eingeführt. In dieser Dimension in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte einmalige Vorgänge.

Ein alter Graben besteht weiter ...

Der alte Graben EU und Schweiz besteht weiter. Die Politiker der Schweiz und der EU scheinen in verschiedenen Welten zu leben. Nach dem Abbruch des Rahmenabkommens ist ein weiterer Versuch zur Annäherung gestartet worden. Nach dem Gespräch der Aussenminister ist, bei der getrennten Pressekonferenz, der Eindruck entstanden die beiden Politiker hätten an unterschiedlichen Gesprächen teilgenommen. Die Konklusionen und die „vereinbarten Schritte“ differierten sehr stark. Wegen der Absage des WEF in Davos ist noch nicht klar, wann Gespräche weiter geführt werden können.

Etwas in den Hintergrund ist die Thematik der UN-Klimakonferenz geraten. Bei der wesentlichen Herausforderung „Reduktion der Treibhausgase“ sind sich die teilnehmenden Nationen nicht einig. Ähnlich wie bei Corona gibt es Klima-Paniker, die den Weltuntergang in nächster Zeit erwarten und Klimaskeptiker, die am liebsten wie  bisher weitermachen möchten. Die Stimmung ist aufgeladen und verspricht für tragfähige Lösungen nichts Gutes. Die Hoffnung liegt auf neuen Technologien bei den erneuerbaren Energien, die beispielsweise bei der Effizienz der Windenergie, der Elektrifizierung der Flugzeuge oder bei der Plasmatechnologie zur Gewinnung von Strom andocken.


Jahr der Paradoxien

Rückblickend kann das Jahr 2021 als das Jahr der Paradoxien bezeichnet werden. So boomen Realwirtschaft und Börse, die Zinspolitik der Notenbanken, die Rückkehr zum Mittelalter, die kurze Zeit für Fakten anstelle von Fakes, die Realität im Management als Fiktion, die guten Gut-Menschen, die Verbindung zu China, die fossilen Energien mit Schwachstrom und  der Bogen um das EU-Dossier.

Realwirtschaft und Börse boomen

Parallel zur Pandemie boomt die Wirtschaft und die Börse. Die Energiepreise für Öl, Gas und Strom steigen. Inflationsängste sind entstanden. In den USA ist die Inflationsquote hoch. In der Schweiz sprechen die Ökonomen von kleinen Inflationsgefahren, nicht zuletzt wegen des starken Frankens. Die Exporte haben stark zugelegt, obwohl der Euro schwächelt. Der Kurs bewegt sich zwischen 1.03 und 1.04. Wer wäre vor Jahren, mit der Diskussion um einen Eurokurs von 1.50 davon ausgegangen, dass die Exporte der Schweiz keinen Schaden erleiden? Die Ökonomie hat schon bei der Finanzkrise weder Prognosen noch Erklärungsmodelle liefern können.

Zinspolitik der Notenbanken

Trotz der Zinserhöhung dominiert nach wie vor die Einschätzung, dass die Inflation temporär sei und vor allem durch Nachfrageüberhang und Lieferengpässe bestimmt ist. Das Risiko einer substanziellen Zinserhöhung ist gross, weil die hohen Staatsverschuldungen explodieren könnten. Die Schweiz ist allerdings komfortabel unterwegs. Ein Ende der Negativzinsen kann sogar ein positives Signal sein. Der Ausblick auf das Börsenjahr ist nach wie vor gut, nicht bombastisch.

Steht das Mittelalter vor der Tür?

In der europäischen Wiege der Aufklärung hat das Primat der Wissenschaft die Weltherrschaft übernommen. Was ist davon geblieben? Vor allem in den deutschsprachigen Ländern Europas gibt es Hochburgen der Impfgegner, die sich als Gegner des Fortschritts bemerkbar machen. Die Wissenschaft hat an Stellenwert eingebüsst, Fakenews und Verschwörungstheorien haben Aufwind. Die mittelalterliche Logik macht bei der Argumentation der Impfverweigerer die Runde. Wir müssen damit rechnen, dass immer mehr Länder die Schweiz als Hochrisikoland einschätzen. Dann werden wir die abwehrende Haltung auch in der Wirtschaft spüren.

15 Sekunden für die Auseinandersetzung mit Fakten

Corona befeuert die Polarisierung in der Konsens-gestählten Willensnation Schweiz. Wir ziehen uns in unsere privaten Kammern zurück und haben nur noch 15 Sekunden für andere Perspektiven. Der persönliche Freiheitsentzug führt zu Informationsaufnahmen, die nur zulassen, was meiner bisherigen Meinung entspricht. Die Gruppen der Impfbefürworter orientieren sich an der Vernunft und Verantwortung sowie an den wissenschaftlichen Ergebnissen, auch dann, wenn Expertenauftritte nicht widerspruchsfrei und die getroffenen Massnahmen in sich selbst widersprüchlich sein können.

Sind Gut-Menschen auch gut?

Gut-Menschen-Firmen laufen zur Höchstform auf.  Goldman-Sachs will nur noch Firmen mit diversen Verwaltungsräten an die Börse bringen, macht gleichzeitig emsig Geschäfte mit Saudi-Arabien. Nike propagiert den Kampf gegen Rassismus, lässt seine Ware aber in China produzieren, wo Uiguren rassistisch verfolgt werden, Coca-Cola will „weniger weiss“ auftreten, verführt gleichzeitig ihre Kunden  mit überzuckerten Produkten zu Diabetes und Übergewicht. Wer es ernst meint mit dem Tugend-Marketing, muss es auch tun, auch wenn es finanziell weh tut.

 

Die Management-Realität als Fiktion

Grosse Unternehmer-Taten sind 2021 kaum zu finden. Die Börsenflut hat alle Boote angehoben. Im Minus liegen beim SMI gerade mal vier Firmen: Holcim, Novartis, Logitech und die CS. Die Grossbank bildet mit minus 20% das Schlusslicht. Das Debakel von Archegos und Greensill demaskierte mangelndes Fachwissen. Der Quarantäne-Verstoss des Präsidenten passt in das gesamte Bild.

Alle brauchen China und China braucht die Welt

Die besondere Messlatte ist China. Die Grossmacht kann brutal vorgehen. Dies ist sichtbar geworden bei Litauen, das sich an Taiwan annäherte, mit der Quittung des Löschens der Zolldatenbank. Der diplomatische Boykott der Olympischen Spiele hat wenig Durchschlagskraft. Allem Säbelrasseln zum Trotz laufen die Geschäfte mit China für alle Beteiligten weiter heiss, auch für die Schweiz. Alle brauchen China und China braucht die Welt.

Fossil unterwegs mit Schwachstrom

Die Klimaeuphorie geht schnell an seine Grenzen, wenn es um den Geldbeutel geht. Die starke Verteuerung der fossilen Brennstoffe demonstrierte die grosse Abhängigkeit. Die Schweiz hat schon letztes Jahr das Energie-Gesetz bachab geschickt. Eindrucksvoll deutlich kann sein, wenn die Deutschen in Rekordzeit bei fossilen Brennstoffen und der Atomenergie aussteigen. Das kann „Schwachstrom“ sein, vor allem weil die erneuerbaren Energien nicht so schnell die Lücken schliessen können.

Ein weiterer Bogen um das EU-Dossier

Die Funkstille nach der Kündigung des Rahmenabkommens ist skurril. Für die EU rangiert die Schweiz nach wie vor unter ferner liefen. Das bedeutet nicht, dass die EU der Schweiz entgegenkommen wird. Der Badwill seitens EU ist spürbar. Die kleinen Stiche der EU lösen in der Schweiz Beachtung aus. Die EU erwartet bis Ende Januar 2022 konkrete Pläne zum weiteren Vorgehen. Kann die Schweiz das liefern?

Zum Schluss: Paradiesische Schweiz, ein Mythos?

Die Schweiz ist von Ferne her gesehen ein Paradies. Ob dies auch stimmt, müsste anhand von Kennziffern genau untersucht werden. Viele Deutsche sind in die Schweiz gezogen, weil sie hier davon ausgehen ein „besseres Leben“ führen zu können. Für die grosse Masse der Zugewanderten unterscheidet sich der Alltag und der Lebensstandard nicht allzu stark. In Deutschland wird weniger gearbeitet als in der Schweiz, Löhne sind höher und Abgaben tiefer. Es ist eine Tatsache, dass viele Deutsche Geld in der Schweiz gebunkert haben. Die direkte Demokratie der Schweiz wird viel bewundert. Im Vergleich mit dem europäischen, demokratischen Ausland wird in der Schweiz der Bürger in einem Jahr mehr zur Urne gerufen als ein Ausländer während des ganzen Lebens.

Interessant ist, welche Themen in der Schweiz 2021 gegoogelt worden sind. Es sind beispielsweise der Sturm auf das Kapitol in den USA, das Verhüllungsverbot, das Covid-Gesetz und andere Abstimmungsthemen, die Zeitumstellung, die Blockade von Evergiven im Suezkanal. Beim Sport die Fussball-EM, die Qualifikation für die Fussball-WM gegen Italien, das Eishockey-Out gegen Deutschland, die Formel1-WM oder die Olympiade. Weiter das Hochwasser, der Abzug aus Afghanistan, die Zertifikatspflicht,  der Booster und Omikron, das Trychler-Shirt von Ueli Maurer und der sagenhafte Jackpot-Gewinn bei Euromillions von 236 Millionen Euro.

Ein wohlhabendes Land…..

 

Eduard Hauser

Autor

Kulturblogger Glarus

Kontakt

Hauser Eduard
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hauser.eduard@gmail.com
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Kategorie

  • Gesellschaft
  • Schweiz

Publiziert am

29.12.2021

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