Der Klimawandel verlangt nach Verantwortung und Verzicht - 1

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Der Klimawandel verlangt nach Verantwortung und Verzicht

Im August 2018 setzt sich die Schülerin Greta Thunberg vor den schwedischen Reichstag und beginnt einen Schulstreik. Sie fordert eine Verstärkung der Klimaschutzbemühungen weltweit. Dieser Streik einer einzelnen Schülerin entwickelt sich zu einer weltweiten Bewegung. Auch in der Schweiz finden seither an Freitagen Klimademos statt. Im Kanton Glarus werden Unterschriften für eine Klima-Landsgemeinde gesammelt, parlamentarische Vorstösse werden eingereicht. Anlässlich des Bettags ruft der Regierungsrat zu Verantwortung und Verzicht auf.

Der vom Menschen verstärkte Treibhauseffekt führt zu einer Erderwärmung. Diese lässt sich nicht mit natürlichen Klimaschwankungen erklären. Die Folgen: Es steigen nicht nur die Temperaturen, auch die globale Schnee- und Eismasse schrumpft. Der Meeresspiegel steigt an. In der Schweiz und eben auch im Kanton Glarus schwinden die Gletscher. Permafrostböden tauen auf, was zu vermehrten Murgängen und Steinschlägen führt. Flora und Fauna verändern sich, die Schutzfunktion der Wälder wird beeinträchtigt.

Individueller Beitrag jedes Einzelnen ist Basis für besseren Klimaschutz

Eine Wirkung hat die Debatte allemal. Welche, ist offen. Die Forderungen sind zahllos. Offenkundig ist, dass für die Jugendlichen – die Treiber der Bewegung – nicht allein die Zukunft des Planeten im Fokus steht. Sie ärgern sich über die Masslosigkeit in verschiedenen Lebensbereichen und wollen nicht länger hinnehmen, dass die älteren Generationen auf ihre Kosten leben. Dies thematisieren sie geschickt im Kontext des Klimawandels. Der Dank-, Buss- und Bettag bietet Gelegenheit, um sich differenziert mit dem Thema auseinanderzusetzen. Es liegt in unser aller Verantwortung, künftigen Generationen gepflegte, natürliche Lebensgrundlagen zu sichern. Es kann Mensch, Flora und Fauna nur guttun, wenn dies stärker ins Bewusstsein rückt.
Adressiert sind die Forderungen hauptsächlich an die Politik. Der Fächer reicht von ambitionierten Zielen zur Reduktion von Treibhausgasen über Lenkungsabgaben und neue Steuern bis hin zu Verboten. Zu kurz kommt hingegen das Besinnen auf die Eigenverantwortung, das Hinterfragen des eigenen Konsumverhaltens. Ökologische Massnahmen können zudem – wie alle anderen politischen Entscheidungen – nur dann nachhaltig sein, wenn sie auch sozial und wirtschaftlich vertretbar sind. So wirken sie, so lassen sie sich finanzieren, so werden sie akzeptiert und sind damit generationengerecht.

Die Basis für mehr Klimaschutz bildet folglich der Beitrag jedes Einzelnen an eine gut funktionierende Gesellschaft und an eine gesunde Wirtschaft. Beides ermöglicht uns den Wohlstand, dank dem wir auch einen wirksameren Umweltschutz finanzieren können. Zu Gesundheit und Stärke findet eine Wirtschaft, indem sie möglichst viele Freiräume bekommt, aber auch selbstkritisch die Grenzen ihres Wachstums respektiert. Wir sollten hier ansetzen: Bei Eigenverantwortung und bei der ausserordentlichen Innovationskraft der Menschen und Unternehmen in unserem Land.

Rückbesinnung auf das Wesentliche und Achtung vor der Schöpfung sind gefragt

Es geht letztlich also darum, dass Einzelne ihr Verhalten überdenken. Wer seelisch ernährt und gesättigt ist, wird auch ohne neue Vorschriften auf unnötigen Konsum verzichten, weil er weiss: Der Verzicht nimmt nicht, er gibt. Auch die Unternehmen werden erkennen, dass sie nachhaltiger werden müssen.

Übermässiger Konsum und Produktion auf Teufel komm raus ruinieren hingegen. Sie sind verbunden mit einer geistigen Verwahrlosung der Gesellschaft, die zur Zerstörung unserer materiellen Lebensgrundlagen führt. Die aktuelle Klima-Krise ist auch eine Krise des Denkens und des Geistes.

Der Dank-, Buss- und Bettag ist deshalb Anlass, das Wort der Bibel «Macht euch die Erde untertan» neu zu verstehen. Es darf in unserem Verhältnis zur Natur nicht um eine Herrschaft über diese gehen. Ein solches Verständnis läuft auf die weitere Zerstörung unserer Lebensgrundlagen hinaus. «Untertan machen» heisst nicht «unterwerfen», sondern «achten» und «treuhänderisch regieren». Niemand soll aber das Gefühl haben, er müsse oder könne die Welt im Alleingang retten. Die Menschheit taugt nicht als alleinige Hoffnungsträgerin, sie verursacht die Katastrophe ja gerade. Die Menschen haben jedoch einen starken Verbündeten. Die Bewahrung der Schöpfung ist nämlich auch Chefsache. Gott hält die Welt und die Zeit in seinen Händen.

Gefragt sind angesichts der aktuellen Situation eine Rückbesinnung auf das Wesentliche und die Achtung vor der Schöpfung. Es braucht weder Alarmismus noch Lethargie, sondern verantwortungsvolle Freiheit im Bewusstsein des Privilegs, auf einem einzigartigen Planeten leben zu dürfen. Es ist Aufgabe der heutigen und künftigen Generation, eine Lebensart zu entwickeln, die massvoll und wandlungsbereit ist. Dies verlangt auf allen Ebenen der Gesellschaft Einsicht, Mut, Fantasie und den Willen, einen vorbildlichen Klimakurs einzuschlagen.

Namens des Regierungsrates
Andrea Bettiga, Landammann
Hansjörg Dürst, Ratsschreiber

Autor

Staatskanzlei des Kantons Glarus

Kontakt

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Staatskanzlei
Rathaus
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staatskanzlei@gl.ch
+41 55 646 6111

Kategorie

  • Gesellschaft
  • Natur
  • Schweiz
  • Glarus

Publiziert am

15.09.2019

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