«Nach dem Start auf dem Gumengrat geniesse ich jeden Luftstrom hoch über dem Glarnerland.»
«Nach dem Start auf dem Gumengrat geniesse ich jeden Luftstrom hoch über dem Glarnerland.»

Dies & Das

Gesichter und Geschichten aus dem Kantonsspital Glarus (5/11)

Im und um das Kantonsspital Glarus herum arbeiten viele verschiedene Menschen. Für den Geschäftsbericht 2017 haben sie einen Einblick in ihren Alltag gewährt. Wir stellen jede Woche ein Gesicht und seine Geschichte auf der Glarner Agenda vor.

MARTINA RUOSS: SICH VOM WIND TRAGEN LASSEN

Hätte mir jemand vor zehn Jahren gesagt, dass ich irgendwann mal Gleitschirm fliegen würde, hätte ich ihn ausgelacht. Es war nie ein Traum von mir, mich vom Wind tragen zu lassen – jetzt finde ich es traumhaft. Eine holländische Arbeitskollegin wollte das Gleitschirmfliegen ausprobieren und suchte jemanden, der mitkommt. Ich hatte an diesen Tagen frei und ich ging mit ihr mit. Meine Arbeitskollegin war froh, als sie wieder auf dem Boden stand. Ich hingegen war sofort fasziniert.

Es gibt für mich nichts Schöneres als in den Zug zu steigen und nach der Fahrt mit der Braunwald- und der Gumenbahn im Berggasthaus Gumen einen Kaffee zu geniessen. Mit schwerem Gepäck komme ich nach 20 Minuten auf dem Gumengrat an und bewundere die Aussicht jedes Mal aufs Neue. Hier komme ich zur Ruhe und beobachte die Natur und die Windverhältnisse. Langsam packe ich meinen Gleitschirm aus und mache mich bereit. Vor jedem Start bin ich ein wenig nervös – das ist einer der heikelsten Mo-mente bei diesem Sport.

Kaum abgehoben, versuche ich mich vom Wind in die Höhe tragen zu lassen. Es ist genau dieser Moment, in dem ich an nichts anderes denke als an mich, den Wind und mein Fluggerät. Vergessen sind die privaten Alltagssorgen, vergessen sind die Schicksale der Patienten, vergessen sind meine Aufgaben im Labor. Ich geniesse jeden Luftstrom und konzentriere mich auf das Hier und Jetzt, irgendwo hoch oben über dem Glarnerland. Je nachdem kann der Gleitschirmflug Minuten oder Stunden dauern. Das weiss ich im Voraus nie so genau. Mein Zuhause im Visier steuere ich meinen Gleitschirm Richtung Mitlödi. Mit den letzten Kreisen in der Luft über «meinem» Dorf lande ich auf einer gemähten Wiese. Kaum wieder Boden unter meinen Füssen grinse ich vor mich hin. Beim Zusammenpacken denke ich nochmals an den Flug und erlebe ein Glücksgefühl, wie ich es nicht in Worte fassen kann. Mit mir und der Welt zufrieden gehe ich nach Hause. Etwas müde und hungrig, aber mit neuer Energie geladen kann der Alltag wieder kommen.

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Über Martina Ruoss:
Die Labor-Leiterin entspannt beim Höhenflug mit dem Gleitschirm. Ihre Ausbildung zum Gleitschirmfliegerin hat sie 2011 im Engelberger Tal gemacht.

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Autor

Kantonsspital Glarus

Kontakt

Kantonsspital Glarus AG
Burgstrasse 99
8750 Glarus
info@ksgl.ch
055 646 33 33

Kategorie

  • Leute

Publiziert am

08.11.2018

Webcode

guidle.com/G1ewQ7