Walter Steinmann, ehemaliger Direktor des Bundesamtes für Energie (BFE) und Lisa Hämmerli von der Klimabewegung Glarus.
Walter Steinmann, ehemaliger Direktor des Bundesamtes für Energie (BFE) und Lisa Hämmerli von der Klimabewegung Glarus.
Die Klima-Buttons sind kostenlos an der CLEVER-Ausstellung im Güterschuppen Glarus erhältlich. Bild: KlimaGlarus.ch
Die Klima-Buttons sind kostenlos an der CLEVER-Ausstellung im Güterschuppen Glarus erhältlich. Bild: KlimaGlarus.ch
Clever einkaufen schont das Klima: Die CLEVER-Ausstellung von KlimaGlarus.ch und Biovision findet vom 25. August bis 15. September 2021 im Güterschuppen Glarus statt.
Clever einkaufen schont das Klima: Die CLEVER-Ausstellung von KlimaGlarus.ch und Biovision findet vom 25. August bis 15. September 2021 im Güterschuppen Glarus statt.

Dies & Das

Die Zähne und das Energiegesetz

Der Briefwechsel zweier Klimabewegter –  Lisa Hämmerli schreibt an Walter Steinmann – erscheint derzeit auf www.powertage.ch.

Lieber Walter

Im letzten Brief schreibst du, wie wichtig die Anpassung an den Klimawandel ist. Dabei durfte ich erfahren, dass du ein passionierter Schwimmer bist. Du hast in deinem Brief auch den Widerstand des Bademeisters gegen naheliegende Adaptionsmassnahmen geschildert. Manchmal erstaunt es mich schon! Die Mitigation an den Klimawandel – also die Verminderung des Klimawandels durch die Reduktion von Treibhausgasen – ist eine grosse Herausforderung. Die Abstimmung zum CO2-Gesetz im Juni hat dies verdeutlicht. Bis anhin habe ich Anpassungsmassnahmen für selbstverständlich und als unbestritten gehalten. Die Extremereignisse dieses Sommers, ausgelöst durch das Tiefdruckgebiet Bernd, verdeutlichen, wie wichtig Prävention im Grossen aber auch im Kleinen ist. Dafür muss die Gesellschaft aber auch bereit sein, Investitionen wie beispielsweise in den Hochwasserschutz zu tätigen oder selbst Vorkehrungen zu treffen, um Schäden zu vermeiden.

Seit über einem Jahr warten wir darauf, dass das neue Energiegesetz vom Glarner Volk beschlossen wird. Hoffentlich klappt es am 5. September, nachdem die Landsgemeinde dreimal verschoben wurde. Die Vorlage basiert auf den MuKEn 2014 und es ist ähnlich wie beim CO2-Gesetz: ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Das neue Energiegesetz legt Rahmenbedingungen fest, damit die Gebäude im Kanton Glarus sukzessive weniger klimarelevante Emissionen erzeugen. Konkret bedeutet das, wer seine Öl- oder Gasheizung ersetzt, wird vom Kanton bei der Umstellung auf erneuerbare Energieträger unterstützt. Wer weiterhin mit Öl oder Gas heizen will, muss in Zukunft einen Teil der Heizenergie einsparen oder aus erneuerbaren Energiequellen gewinnen. Trotzdem könnten selbst mit dem neuen Energiegesetz immer noch neue fossile Heizungen eingebaut werden und das im Jahr 2022! Manchmal mache ich mir Sorgen, dass uns die Zeit davon läuft. Schliesslich müssen wir spätestens 2050 netto Null Emissionen erreichen. Nun hat die SVP bereits angekündigt, das Energiegesetz zwar zu unterstützen, aber noch ein paar Zähne zu ziehen. Werden dem Energiegesetz diese gezogen, kommen wir keinen Schritt weiter. Zum Glück kann jede*r Glarner*in ab 16 Jahren die Initiative ergreifen und Gesetzesänderungen vorschlagen. Ich finde das eine grossartige Möglichkeit der Partizipation. Auch wir werden diese Möglichkeit nutzen und waren in den letzten Wochen kreativ und fleissig. Mit Buttons und Videoclips die wir in den nächsten Tagen auf den Kanälen von der Klimabewegung Glarus veröffentlichen werden, wollen für das Energiegesetz mobilisieren. Wir hoffen nun, möglichst viele Klimaglarner*innen an der Landsgemeinde anzutreffen. Welchen Button darf ich für dich reservieren?

Energie aus Abfall

Letzte Woche hat die KVA Linth das Projekt «KVA Linth 2025» vorgestellt. Mit diesem rüsten sie sich für die Zukunft. Die Ofenlinien werden erneuert, die Anlage wird modernisiert und auf den neusten Stand der Technik gebracht. Die KVA Linth denkt jedoch bereits einen Schritt weiter. Sie haben ein zukunftsweisendes Projekt mit Partnern in Angriff genommen. Dabei geht es um die Abscheidung von CO2 aus dem Verbrennungsprozess. Wie du sicher weisst, verursachen die Kehrichtverbrennungsanlagen in der Schweiz nebst viel Abwärme und Strom, 2,1 Mio. Tonnen CO2. Das sind 4.5% des gesamten CO2-Ausstosses der Schweiz. Mit diesem Projekt soll die Machbarkeit dieser Technologie eruiert und die vielen Fragen für deren Implementation geklärt werden können. Beim aktuellen Projekt haben sie die zukünftige Abscheidung von CO2 bereits angedacht, sodass die Weichen für eine zukünftige Realisierung gestellt sind. Mich freut es enorm, dass diese Pionierarbeit im Glarnerland geleistet wird.

https://www.kva-linth.ch/kva-linth-2025
https://www.kva-linth.ch/energie-umwelt#section-id-100

Nachhaltiger Konsum dem Klima zuliebe

Morgen, am 25. August, findet die Eröffnung der Ausstellung über nachhaltigen Konsum im Glarus statt. Die Organisation war zwar recht aufwändig, ich durfte dabei aber auch viel lernen. Unsere Ernährung hat einen grossen Einfluss auf die Umwelt und das Klima. Eine vegane Kalberwurst zu probieren, ist deshalb gar nicht so abwegig. Bereits in der Primarschule habe ich beschlossen kein Fleisch und Fisch mehr zu konsumieren. Diesem Entscheid bin ich bis heute treu geblieben. Obwohl es mittlerweile wirklich tolle Fleischersatzprodukte sogar in Wurstform gibt, reizen mich diese gar nicht. Dafür liebe ich die veganen Gipfeli, die es neuerdings Dank Juice1 in Glarus zu kaufen gibt.

https://sites.google.com/view/clever-glarus/startseite
https://www.juice1.ch/

Lieber Walter, leider habe ich noch schlechte Nachrichten. Letzte Woche hat der Regierungsrat mitgeteilt, dass die Landsgemeinde auf Grund der Coronasituation ohne geladene Gäste stattfindet. Vielleicht können wir in den nächsten Tagen telefonieren, wie wir unsere Verabredung an der Landgsgemeinde gestalten möchten?

Herzlich, Lisa

Über die Schreibenden:

Dr. Walter Steinmann, *1951, ehemaliger Direktor des Bundesamtes für Energie (BFE, 2001-2016), ist Leiter des Advisory Board der Powertage und unabhängiger Berater verschiedener Projekte. Er engagiert sich für Start-ups und hilft mit Innovationen voranzubringen und die Transition im Energiesektor effizient zu gestalten. www.steinmannconsulting.ch

Lisa Hämmerli, *1993, ist im Glarnerland aufgewachsen und hat an der ETH Zürich Umweltnaturwissenschaften studiert. Anschliessend arbeitete sie an der ETH als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich der Wahrnehmungsforschung zu negativen Emissionstechnologien. Heute arbeitet sie in einem Ingenieurbüro, welches auf Abbau- und Deponieprojekte spezialisiert ist. In ihrer Freizeit engagiert sie sich bei der Klimabewegung in Glarus. Als Co-Präsidentin von KlimaGlarus.ch setzt sie sich für mehr Klimaschutz ein. www.klimaglarus.ch

#klimaglarus.ch

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KlimaGlarus.ch

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Publiziert am

24.08.2021

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