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Kunst

Glokalisierung der Wirtschaft und Kultur

"Glokalisierung" ist die Verbindung von global und lokal. Ein neues Modell nach "Corona"? Kulturelle Werte ändern sich

Was ist „Glokalisierung“?
„Glokalisierung“ als Mischform zwischen der Globalität und der Ausrichtung auf den Nationalstaat könnte eine Antwort für die Zukunft sein. Der Soziologe Roland Robertson hat den Begriff erfunden. „Lokal“ und „global“ stehen nicht in einem Gegensatz, sondern in einem Gleichgewicht. Die „Globalisierung“ bezeichnet den Vorgang, dass internationale Verflechtungen in vielen Bereichen des alltäglichen Lebens bestehen. Die „Lokalisierung“ umfasst die Anpassung an die lokalen Gegebenheiten eines Marktes. Bei der Kultur ist die Diversität gefordert, die für das Zusammenleben und die Integration hohe Anforderungen stellt. Es ist seit langer Zeit bekannt, dass die Diversität zur Bewältigung von Zukunftsproblemen und die Entwicklung einer Gesellschaft von grösster Bedeutung ist.


Glokalisierung als Chance….
Daniel Detting,
www.zukunftsinstitut.de – NZZ vom 18.3.20 -  setzt sich mit der Globalisierung und Glokalisierung auseinander. Die USA steht mit China schon längere Zeit in einem Systemwettbewerb. Dieser hat auf die Globalisierung negative Auswirkungen. Das System der internationalen Verflechtungen ist fragil. In der Corona-Krise tritt diese Verletzlichkeit deutlich hervor. Bei der aktuellen Katastrophe handelt es sich um einen „schwarzen Schwan“, ein nicht vorhersagbares Ereignis mit katastrophalen Auswirkungen. Das Schwert des Endes der „Globalisierung“ steht am Himmel. Der Eindruck ist, dass das Prinzip „Alle gegen alle“ gilt. Die USA werben deutsche Wissenschafter ab und wollen Impfstoffe gegen das Corona aufkaufen. China droht mit dem Lieferstopp für Schutzkleidung und Medikamente. Die Folge solcher Aktionen ist ein wachsender Nationalismus. Es wird auch beobachtet, dass immer mehr Firmen ihre Wertschöpfungsketten und Lieferketten zurückholen. Es betrifft vor allem Branchen wie Chemie, Automotive und Pharma, also sicherheitsrelevante Branchen. Die Abschottung nationaler Märkte geschieht vor allem aus Gründen des Gesundheitsschutzes. Gesundheitsdaten werden zur Staatsangelegenheit und Datenschutz wird abgeschafft, oder nachträglich legitimiert. Die Menschen werden getrackt, damit Infektionen nachverfolgt werden können. Auf nationaler Ebene installiert sich eine staatliche Planwirtschaft und lokal erleben genossenschaftliche Selbstversorgungsmodelle eine Renaissance. Die positiven Szenarien setzen auf Robustheit und Resilienz. Deglobalisierung erweist sich als falsche Variante gegen die Gesundheits- und Wirtschaftsrisiken. Es wird deutlich, dass Wohlstand und Lebenserwartung zusammenhängen. Das Virus führt zu neuen Kooperationen, einem neuen Gleichgewicht der Staaten und der Kommunen. Die resiliente globale Gesellschaft setzt auf die Glokalisierung mit der Dezentralisierung der Märkte und Wertschöpfungsketten bei gleichzeitiger Intensivierung kooperativer Systeme. Die Schweiz bietet mit dem Föderalismus gute Voraussetzungen für diese Entwicklungen.  In diesen Tagen erleben wir den Beginn der Glokalisierung, nicht das Ende der Globalisierung.

Wo steht die Schweiz zwischen Globalisierung und Glokalisierung?
Tatsachen sprechen eine deutliche Sprache: Gemäss avenir suisse – Sackgasse der Re-Nationalisierung, Mai 2020 – ist seit 2002 und dem Inkrafttreten der Bilateralen I das Bruttoinlandprodukt, gerechnet  pro Kopf, stärker als die Wohnbevölkerung gestiegen; 49% stehen 17% der Wohnbevölkerungszunahme gegenüber.  Der Aussenhandelsindex – alle Exporte und Importe -  beträgt hohe 96%, gemessen am Bruttoinlandprodukt und die Exportquote liegt bei 52%. Rund 1,9 Mio Beschäftigte profitierten vom Zugang zu ausländischen Märkten, 915 000 Beschäftigte von der Nachfrage aus den EU-Ländern. Die starke, internationale Verflechtung ist ein Garant des Wohlstandes in der Schweiz. Die Befürchtung, dass in der Corona-Krise die Selbstversorgung des Landes problematisch wird, hat sich nicht bewahrheitet. Der Selbstversorgungsgrad beträgt hohe 59%. Im internationalen Vergleich eine hohe Rate, da bei diesem Vergleich nur rund 20% der Bevölkerung durch eigene Ressourcen versorgt werden können. Die Milchwirtschaft produziert Überschüsse, die Selbstversorgung mit Kalb- und Schweinefleisch liegt bei rund 95%, verursachen aber hohe Importe an Kraftfutter. Die Auslandabhängigkeit ist gross, obwohl die Statistik des Selbstversorgungsgrads eine Senkung suggeriert. Die Krisenvorsorge für die Landwirtschaft wird trotzdem mit rund CHF 1 Mrd  Steuergeldern finanziert. Dass dies nicht effizient sein kann, liegt auf der Hand. Die Versorgungssicherheit wird dagegen mit internationalen Abkommen bewerkstelligt, ist also nicht mit den im Inland produzierten Gütern zu vergleichen. Andere Güter wie Strom oder Produkte für die Gesundheitsversorgung  erfordern Autarkie und Offenheit; die Abschottung ist ein schlechter Ratgeber. Trotzdem gibt es aktuell zu viele Aktivitäten, die globale Kooperationen zurückdrängen; „our country first“ ist die Devise. Zusammen mit der Zunahme der Handelshemmnisse wird es eine langsamere Globalisierung geben. Die Entkoppelung der Volkswirtschaften von USA und China sind auf „bestem Weg“. Die internationalen, gegenseitigen Abhängigkeiten sind aber in den letzten Jahren ständig gewachsen. Mehr als 50 Länder haben im März 2020  Exportrestriktionen eingeführt – Global trade Alert 2020 -  Es betrifft vor allem Schutzausrüstungen, Desinfektionsmittel und Beatmungsgeräte.  Rund 170 Länder importieren diese Artikel. Exportnationen haben Ausfuhrverbote verhängt. Exportbeschränkungen führen, in Kombination mit erhöhter Nachfrage, zu höheren Preisen.


Bedeutung für die Kultur der Schweiz…..
„Offenheit statt Abschottung“
ist ein wichtiger Wert der Glokalisierung. Die Bedeutung des Lernens ist im Zentrum. Die Abschottung betont die Erfahrung und schliesst gleichzeitig das Lernen aus. Offen und transparent sind gesellschaftliche Beziehungen; Filz und Vetternwirtschaft sind ausgeschlossen. Die Unabhängigkeit hat gegenüber dem Lobbyismus Vorrang. „Diversität statt Einfalt“: Die Akzeptanz der  Unterschiedlichkeit von Werten führt zur Offenheit gegenüber der Andersartigkeit von Menschen und ihren Überzeugungen, schliesst daher die Einfalt aus. „Bildung statt Naivität“: Je besser die Bildung eines Volkes, desto stärker ist das Begreifen von Zusammenhängen in unserer Welt. Es handelt sich um eine Übereinstimmung von persönlichem Wissen und dem Weltbild  mit der Wirklichkeit. Die Naivität schliesst Bildungsprozesse aus und wirft auf den gelebten Zustand zurück. „Ja-Sager“ sind prototypisch für die Naivität, weil sie die kritische Haltung ausschliessen. „Integration statt Ausgrenzung“: Die Integration führt das Auseinanderliegende zusammen und führt zu neuen Werten oder Verhaltensnormen. Darin liegt ein schöpferisches Potenzial zur Bewältigung der zukünftigen Anforderungen. Die Ausgrenzung schliesst jedes Zusammenführen zu neuen Normen aus und ist ein wesentlicher Teil des Stillstandes.

„Gleichberechtigung statt Diskriminierung“:
Die Gleichberechtigung von Frau und Mann, unabhängig von der Rasse, ist ein wesentlicher Wert für die Glokalisierung. Die menschliche Würde ist unantastbar. Gleichberechtigung bezieht sich auf Chancengleichheit, Gleichheit bei den Löhnen zwischen Frauen und Männern oder Gleichheit bei der Rechtsprechung. Diskriminierung blendet alle Gleichheitsanforderungen aus und bevorteilt einzelne Ethnien und Geschlechter. „Kooperation statt Kampf“: Kooperation und Ko-Opetition, statt Sieger gegen Verlierer sind Teil des wechselseitigen Verständnisses im gesellschaftlich-wirtschaftlichen Umgang. Die Eskalierung der Kämpfe führt zu Verlierer-Verlierer-Situationen. Bedingung für Kooperation ist die wechselseitige Wertschätzung ,statt Geringschätzung. „Wettbewerb statt geschützte Werkstatt“: Der Wettbewerb im internationalen Kontext sichert die Existenz und fördert die Innovationskraft. Geschützte Branchen fokussieren auf Absprachen, Monopole oder Subventionen. Die Innovation orientiert sich aber an den Prinzipien der Nachhaltigkeit statt an der Ausbeutung. Nachhaltigkeit und Wirtschaft  befeuern sich wechselseitig und bieten Existenzgrundlagen in einer intakten Natur und lebendigen Biodiversität. Anstelle des Neokapitalismus tritt das Gemeinwohl, welches für mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft sorgt. „Mut zur Veränderung statt Anpassung“: Die Veränderungsfreude orientiert sich an der Vision. Sie führt zu disruptiven Innovationen, die neue Geschäftsmodelle beinhalten und die Effizienz steigern. Das Prinzip der „destruktiven Konstruktion“ führt zu Neuerungen, die das bisherige Denken und die Verhaltensmuster sprengen. Überregulierungen gehören der Vergangenheit an und machen Platz für die Selbstverantwortung. Die Übernahme von Verantwortung ersetzt die Sorglosigkeit.  Veränderungen antizipieren Entwicklungen in der Gesellschaft, Wirtschaft und Technologie. Die Reparaturkultur, in Verbindung mit der nachträglichen Problemlösung, gehört der Vergangenheit an. Die nachträglichen Problemlösungen sind die Probleme von morgen.

„Leistungsorientierung statt Selbstzufriedenheit“:
Die  Anforderungen an sich selbst sind realitätsbezogen und lösen primär EU-Stress aus. Die Verwöhnung und Hysterien in der Gesellschaft finden ein Ende. Forderungen und Förderungen orientieren sich am vorhandenen Potenzial der Personen. Resilienz tritt an die Stelle von Effizienz. Selbstkritik löst Arroganz, Narzissmus und Egomanie ab. Bescheidenheit wird anstelle der Gier gelebt. Die Ethik im gesellschaftlich-wirtschaftlichen Verhalten tritt an die Stelle der Monethik. Es gilt der kategorische Imperativ von Immanuel Kant: „Verhalte Dich so, dass die Maxime Deines Handelns  jederzeit als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung dienen können“.

Eduard Hauser

Quellen:

www.zukunftsinstitut.de, Neue Zürcher Zeitung vom 18.3.20 – Daniel Detting

avenir suisse: Sackgasse Re-Nationalisierung ; Versorgungssicherheit und Wohlstand durch Globalisierung statt Selbstversorgung, Mai 2020

Global Trade Alert 2020;Global Dynamics, New Interventions Per Year

 

Autor

Kulturblogger Glarus

Kontakt

Hauser Eduard
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hauser.eduard@gmail.com
079 436 45 66

Kategorie

  • Kultur

Publiziert am

22.06.2020

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