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Dies & Das

Kultur der Empfindsamkeit oder Robustheit

Die „Empfindsamkeit“ steht der „Robustheit“ gegenüber. Diese Art Optik auf menschliches Verhalten wird „komplementär“ verstanden. Die Komplementarität geht von positiven Polen aus, die sich gegenüber stehen. Mit dieser Art Betrachtung gibt es keine Positiv-Negativ-Polaritäten, die den Menschen gegenüber Falscheinschätzungen des Verhaltens auslösen.

Bei der komplementären Betrachtungsweise ist das Situative, auf eine Situation ausgerichtete Verhalten, einbezogen. Eine Skalierung von Ausprägungen „sowohl als auch“, „leichte Ausprägung“, „starke und sehr starke Ausprägung“ sind notwendig. „Sowohl als auch“ bedeutet, dass ein Mensch sowohl empfindsam als auch robust in seinem Verhalten ist. Je ausgeprägter eine Seite verinnerlicht ist, desto schwieriger bis unmöglich ist es, die andere Seite zu betonen oder zu leben. Die „sehr starke Robustheit“ schliesst die Empfindsamkeit in jeder Situation aus. Bei diesen Ausprägungen entstehen die Schwächen und Ängste eines Menschen. Die Skalierung für die „Empfindsamkeit“ kann mit „Einfühlsamkeit, Sensibilität bis Hysterie umschrieben werden. Die fehlende Stehkraft ist in einer Situation, in welcher Robustheit verlangt ist, als Schwäche einer Person einzuschätzen. Bei diesem Verhalten sind Lernprozesse ausgeschlossen. Dies bedeutet, dass ein „Esel in einem Pferdestall“ auch nach 20 Jahren noch ein Esel ist. Die Skalierung für „Robustheit“ kann mit „Widerstand, hart im Nehmen bis Unempfindlichkeit“ umschrieben werden.


Um der komplexen Struktur des Bewusstseins einer Person gerecht zu werden müssen weitere Persönlichkeitsaspekte einbezogen werden. Es geht vor allem um die Polarität zwischen „Menschorientierung“ und „Sachorientierung“. Die Skalierung der „Menschorientierung“ kann mit „Verständnis, Fairness bis Weichheit“ umschrieben werden. Die Angst ist, dass sachliche Aspekte berücksichtigt werden müssten.  Die skalierte „Sachorientierung“ ist „Faktenorientiert, hart in der Sache bis Hartherzigkeit“ umschrieben werden. Die Angst ist, dass Gefühle gegenüber einer anderen Person zu zeigen  wichtig wird.


Jeder Mensch hat in seiner Sozialisation von seinen Eltern „Botschaften“  und „Antreiber“ verinnerlicht. Beispiele sind: „Sei stark, zeig keine Gefühle, weine nicht, sei hart im Nehmen, sei kein Weich-Ei, sei einfühlsam, sei mutig, sei rücksichtsvoll, sei fair, sei konsequent, etc.“ Das sind Programme, die individuell ausgerichtet sind und je nach Ausprägung des Charakters anders wirken. Das Bewusstsein einer Person ist einzigartig und unterscheidet sich von anderen Menschen. Beim Unterbewusstsein werden die Menschen mit den gespeicherten Daten vergleichbar. Es ist sogar möglich über fremde Kulturen hinaus gleiche Muster zu entdecken.


Die Zivilgesellschaft früher und heute


Wenn wir bis zu den Generationen nach dem zweiten Weltkrieg zurückschauen können wir feststellen, dass die meisten Personen ein bescheidenes, manchmal sogar karges Leben führen mussten. Beten und Arbeiten war die Devise. Die Religion hat auf das menschliche Verhalten starken Einfluss genommen. Der Konsum war noch bescheiden und die Aufbauarbeit der Wirtschaft und Gesellschaft hat alle Energien gebunden. Die Religion war stark in der Sexualität der Menschen verankert. Libido im sexuellen Sinn und Lust waren zu kontrollieren und konnten nur in der Ehe gelebt werden. Die Eltern waren Autoritätspersonen. Moralische Gesetze waren im Alltag streng zu beachten. Robustheit ist im Zentrum gestanden.


Die 68iger-Generation hat sich vom Druck der Moral befreit und Autoritäten hinterfragt. Die Befreiung aus dem Korsett der guten Sitten ist vollzogen worden. Die freie Liebe ist ausgerufen und wird in Kommunen gelebt. Der Widerstand gegen den Vietnamkrieg ist weltweit spürbar, Angst und Terrorismus machen sich mit Tötungen von Würdenträgern bemerkbar. Sowohl Empfindsamkeit als auch Robustheit waren zentral.


Jugendproteste hat es auch später immer wieder gegeben. Forderungen nach einem autonomen Jugendzentrum als Experimentierraum für das spätere, gesellschaftliche Leben war ein wesentliches Thema der 80iger Jahre. Das Pendel hat nur stärker auf Sensibilität gedreht.


Das Pendel hat in der heutigen Zeit stark  Richtung „Sensibilismus“ ausgeschlagen. Waren früher Werte des Gehorsams und Anpassens zentral, ist es heute das Hinweisen auf die gesellschaftlichen Folgen der Wirtschaft, oder die Einschränkungen der Freiheitsrechte.


2021leben wir  im Wohlstand.  Kinder werden mit Konsum überhäuft und können selbst kaum mehr Dinge entwickeln. Das  Lustprinzip ist wieder  wichtig geworden.  Verzicht ist ein Fremdwort. Bedürfnisse werden nicht aufgeschoben;  jetzt und sofort will ich   haben, was ich will. Der Einsatz von Care Teams ist auch bei Kleinigkeiten zur Normalität geworden. Die Achtsamkeit und Sensibilität sind zentrale Werte geworden.


Die Jugend protestiert wegen des Klimawandels und findet weltweite Beachtung. Wesentlich ist, dass dieses Thema mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen direkt verbunden wird. Junge Menschen sind gut ausgebildet und informiert, verzweifeln aber an der Unfähigkeit der Politik schnell und nachhaltig nötige Änderungen umzusetzen. Die Sensibilität für wesentliche Entwicklungen wird vermisst und reklamiert. Die Verletzlichkeit ist nicht nur ein Hirngespinst. Hausgemachte Probleme,  beispielsweis das Abschmelzen des Permafrosts in der Antarktis wird zu Problemen führen, weil sehr viel CO2 und Methan produziert wird.


Die Sprache hat sich verändert.Körpersprachliche Zeichen, die der Moral widersprechen sind in der Öffentlichkeit verboten. Das Plakat eines Mannes, der die Beine spreitzt hängt im Busbetrieb in Madrid und signalisiert, was unerwünscht ist. „Il“ und „elle“ sollen durch „iel“ ergänzt werden. Das sächliche Geschlecht findet in der französischen Sprache Eingang und löst breite Diskussionen aus.  Der Umgang mit Genderfragen findet in Bewegungen wie „me-too“ ihren Niederschlag. Haben „weiblich“ und „männlich“ ausgedient? Warum fühlen sich Jugendliche nicht mehr einem klaren Geschlecht zugehörig? Zeichen der Sensibilität, die sich in der Gesellschaft bemerkbar machen.


Die Sprache pendelt zwischen Leichtgläubigkeit und Argwohn. Die Rede ist Mittel zur Verdrehung von Tatsachen und zur Verweichlichung. Es gibt ein ursprüngliches Interesse an Täuschung, als Basis für Fakenews.  In der Politik gibt es einen Code der „Correctness“, ein rigides Regime von Sprachregulierungen und Verhaltenscodes, die den Lügen Aufwind verleihen


Im Internet finden anonyme Angriffe auf Personen statt. Gewalt wird verherrlicht. Aus der Vernetzung gibt es mehr Vernetzung und die Unwahrheiten steigern sich.  Zwischen Medien und Sein gibt es Konvergenzen. Die faktische Präsenz in den Medien hat den Vorzug vor der Wahrheit des Präsentierten. In der Politik gibt es eine innovative Expansion der Staatslügen. Ein Ziel des Terrorismus ist die Korruption einer Bevölkerung durch Angstausbreitung.  Der Populismus ist das Unbehagen in der gegenwärtigen Kultur, mit Sensibilismus für Minoritäten und als Zensur mittels „Sprachpolizei“.  Wahrheit ist, was sich aus der Lüge machen lässt


Die Gesellschaft spaltet sich in Parallelgesellschaften. Das ist nicht neu. Religiöse, pekuniäre oder eingewanderte  Parallelgesellschaften hat es schon immer gegeben. Es wird sich zeigen, ob die aktuellen Impfgegner- und Skeptiker die Dauer der Zeit überleben.  Früher oder später könnten sie  vielleicht ihre Einschränkungen der persönlichen Freiheiten anders sehen. Ist es mehr als purer Egoismus und Narzissmus im Mantel des Freiheitsverlusts?  Die Vernunft als Selbstreflexion könnte erwachen. Fakenews und Verschwörungstheorien könnten aus dem Bewusstsein vertrieben werden.


Das Gesundheitswesen ist durch die Pandemie stark gefordert. Die Schweiz nimmt für sich in Anspruch ein sehr gutes Gesundheitssystem zu haben, welches zwar viel kostet, aber auch hohe Qualität bietet. Die Qualitätsorientierung richtet sich auf die Behandlungen, Relevanz und Wirksamkeit sind ausgeschlossen. 2018 zeigt die WHO 13 600 Krankheitsbilder mit 79 500 Unterteilungen auf 47 Spezialarztdisziplinen. Der Sensibilismus hält Einzug und zeigt, welche Breite medizinischer Leistungen eingefordert werden können. Psychische Erkrankungen, Stress, Aggression, Depressionen und Burnouts haben stark zugenommen. Neue Krankheitsbilder sind entstanden und erleichtern die Diagnosen für psychische Probleme. Die Ernährung ist vom Veganismus durchdrungen. Die Gestelle im Detailhandel sind mit veganen Angeboten voll. Ist das eine Steigerung des Gesundheitsbewusstseins in einer kränklichen Gesellschaft? Einerseits nimmt Diabetes zu, die Menschen sind zu dick und andererseits gibt es nicht mehr überschaubare Ratgeber für gesundes Essen und Leben. Zeichen dafür, dass die Sensibilisierung Fortschritte macht.


Man kann sich fragen, was muss passieren, dass das Pendel etwas mehr auf die Robustheit in der Zivilgesellschaft ausschlägt?


Eduard Hauser


 

Autor

Kulturblogger Glarus

Kontakt

Hauser Eduard
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Kategorie

  • Gesellschaft

Publiziert am

30.11.2021

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