Um 13.30 Uhr heult der «Allgemeine Alarm».
Um 13.30 Uhr heult der «Allgemeine Alarm».
Im Film «Zeitmaschine» locken Morlocks (1960, George Pal) mit dem «Allgemeinen Alarm» Eloi an. Bild:  YouTube «magical media museum»
Im Film «Zeitmaschine» locken Morlocks (1960, George Pal) mit dem «Allgemeinen Alarm» Eloi an. Bild: YouTube «magical media museum»
«Sirens» ist ein Stück auf dem Album «Amniotic» von Monolink. Bild: www..mono.link
«Sirens» ist ein Stück auf dem Album «Amniotic» von Monolink. Bild: www..mono.link
Unsere Ohren sind besonders auf Alarm getrimmt.
Unsere Ohren sind besonders auf Alarm getrimmt.

Film, Dies & Das, Musik

Sirenentest: Findet statt.

Heute ist es wieder soweit: Schweizweit werden die Sirenen getestet – immerhin etwas, das nicht abgesagt und aus der Agenda gestrichen wird.

Gedanken zum Tag von Kulturblog-Gastautor Werner Kälin, Ennenda

Heute um 13.30 Uhr heult der «Allgemeine Alarm» wiederholend bis 14 Uhr. Ab 14.15 Uhr bis längstens 15 Uhr ist im Gefahrengebiet unterhalb von Stauanlagen der «Wasseralarm» zu hören. Laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz gilt beim «Allgemeinen Alarm»: Radio hören, den Anweisungen folgen, Nachbarn informieren. Beim «Wasseralarm» ist das gefährdete Gebiet sofort zu verlassen.

Cineastische Verbindung
Persönlich verbinde ich den Sirenentest mit dem Science-Fiction-Klassiker Die Zeitmaschine von George Pal aus dem Jahr 1960, basierend auf dem Roman von Herbert George Wells von 1895. Darin werden in einer paradiesisch anmutenden Landschaft in ferner Zukunft die blutjungen und apathischen Bewohner der Erdoberfläche, die Eloi, zur Essenszeit von den im Untergrund lebenden, kannibalischen Morlocks mittels «Allgemeinem Alarm» angelockt. Der Film faszinierte mich schon als Kind mehr, als er mir Angst machte. Was ich erst bei der Recherche zu diesem Beitrag herausgefunden habe: Die Spaltung der Menschheit in Eloi und Morlocks war die Folge eines über 300 Jahre langen Kriegs, nach dem die Erde bakteriell verseucht war.

Veranstaltungsbranche schlägt Alarm

Gemäss Kulturstatistik des Bundes waren in der Kultur- und Kreativwirtschaft 2013 mehr als 275'000 Personen in rund 71'000 Betrieben beschäftigt – das sind über 10,9 Prozent aller Betriebe. Der Anteil Beschäftigter an der Gesamtwirtschaft von 5,5 Prozent ist vergleichbar mit der Finanz- oder der Tourismusbranche. Die Kultur- und Kreativwirtschaft generiert einen Gesamtumsatz von rund 70 Milliarden Franken. Im Unterschied zur produzierenden Branche sind weggefallene Umsätze nicht nachholbar. Analysen gehen von einem 80- bis 100-prozentigen Umsatzausfall aus. Die Insolvenzgefahr für die gesamte Branche ist akut. Mehr darüber im Kulturblogbeitrag «Etwas fehlt» vom 23. Juni 2020: https://bit.ly/3tl9V68

Gesellschaftlicher und persönlicher Umgang mit Alarm und Angst
Alarmsignale treten in zahlreichen Formen, von allen möglichen Seiten und in einem schnellen Rhythmus auf. Vor lauter Alarm ist es nicht immer einfach, die vielen Signale einzuordnen. Vertrauensvolle Alarmquellen sind also wichtig für die Menschen – auch weil die Angst dem Alarm nahe ist. Eines meiner Mittel, mit dem Spannungsfeld zwischen Alarm und Angst umzugehen, ist das Schreiben. Selbst wenn mir ein Text nicht gelingt, weiss ich wenigstens, wie weit ich mit meinem Gefahrenbewusstsein bin. Ein weiteres Mittel bzw. ein besonders natürliches Alarmsystem sind Körpersignale. Meine Warnsignale sind zum Beispiel Schmerzen oder Kurzatmigkeit, aber auch Veränderungen am Gehör: Wenn sich alles lauter anhört als sonst, ist offenbar Gefahr in Spürweite. Dann mache ich mich daran herauszufinden, was es auf sich hat. Und natürlich gibt es noch die Ablenkung, bei der ich mich zum Beispiel mit einer Dosis Musik beruhige – am liebsten mit Tönen von vertrauten Künstlern, wie aus dem Lied Sirens von Monolink.

Lärm und Sicherheit – zwischen Nutzen und Schaden

Auf Sicherheit und Gesundheit legt unsere Gesellschaft grossen Wert. Eines unserer Sinnesorgane ist besonders auf Sicherheit und deshalb auf Alarm getrimmt: Das Gehör schläft nie. Unsere Ohren sind im Schlaf sogar besonders empfindlich. Als Schutzfunktion wecken uns schon leise Geräusche ab 40 Dezibel, es reicht also ein schnarchender Partner. Wer durch plötzlichen Lärm weit über diesem Grenzwert geweckt wird, spürt schon mal unangenehm heftiges Herzklopfen. Ist der Lärm – das Wort stammt übrigens vom italienischen all’arme! (zu den Waffen!) und ist mit Alarm verwandt – auf eine tatsächliche Gefährdung zurückzuführen, auf die zum Beispiel Sirenen hinweisen, rettet er Leben. Tritt der Lärm aber unnötig und zu oft auf, gefährdet er laut Sirene-Studie die Gesundheit.

Autor

Kulturblogger Glarus

Kategorie

  • Film
  • Gesellschaft
  • Musik

Publiziert am

03.02.2021

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guidle.com/Amp8kp